BUND Kreisverband Vogelsberg
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PFAS sind krebserregend und stecken in Pizzakartons und Zahnseide -

schreibt die Oberhessische Zeitung über den Vortrag von Professor Hubertus Brunn

Porträtfoto eines älteren Herren mit Brille und schütterem Haar, trägt  Lederjacke, weißes Hemd mit offenem Kragen Prof. Dr. H. Brunn

https://www.oberhessische-zeitung.de/vogelsbergkreis/muecke/pfas-sind-krebserregend-und-stecken-in-pizzakartons-und-zahnseide-94053251.html

Unser Referent war Professor Dr. Hubertus Brunn. Er lehrt an der Justus-Liebig-Universität Gießen Lebensmittel- und Umwelttoxikologie und ist ehemaliger Direktor des Hessischen Landeslabors. Seit Langem arbeitet er im Arbeitskreis Umweltchemikalien/Toxikologie des BUND und ist Mit-Autor der BUND – Veröffentlichung “Fluorchemikalien: Langlebig, gefährlich, vermeidbar.“

Die Trifluoressigsäure (TFA -Trifluoracetat) ist eine der berüchtigten „Ewigkeitschemikalien“. Der BUND hat TFA in Trink- und Mineralwasser nachgewiesen und fordert einen wirksamen Schutz vor den gefährlichen Umweltgiften.

Die Trifluoressigsäure entsteht unter anderem beim Abbau von sogenannten F-Gasen und von bestimmten Pflanzenschutzmitteln (Pestiziden). Wenn zum Beispiel im Kartoffelacker das Pestizid „Banjo“ eingesetzt wird, dann soll der Wirkstoff Fluazinam vor Pilzbefall (Phtophtora) schützen. Nach einiger Zeit ist dann bei Bodenuntersuchungen dieser Wirkstoff nicht mehr nachzuweisen. Im Boden und später im Grundwasser finden sich aber Abbauprodukte, sogenannte Metabolite, wie die Trifluoressigsäure. Trifluoressigsäure entsteht auch beim Abbau fluorierter Arzneimittel und bei der Verbrennung von Fluorpolymeren wie Teflon. Das Umwelt-Problem: TFA, die Trifluoressigsäure, ist einerseits gut wasserlöslich und deshalb rasch überall verbreitet. Andererseits ist TFA eine der berüchtigten „Ewigkeitschemikalien“: Sie ist in der Umwelt nach derzeitiger Kenntnis nicht abbaubar –  persistent sagen die Umweltwissenschaftler. Bis heute kennen wir keine Methode, mit der man diesen Schadstoff wieder aus dem Grundwasser und dem Trinkwasser herausholen kann, und selbst Neugeborene tragen den TFA schon im Blut. Der BUND fordert deshalb und wegen ihrer gesundheitsschädlichen Wirkungen ein weitreichendes Verbot aller PFAS-Chemikalien.

Mehr wissen? https://www.bund.net/service/presse/pressemitteilungen/detail/news/gefaehrliche-ewigkeitschemikalie-tfa-bund-fordert-schnelles-verbot-und-verursacherhaftung/

Fluorchemikalien: langlebig, gefährlich, vermeidbar!

Vortrag von Prof. Hubertus Brunn am Mittwoch, 21.06.2023, 19.30, in Alsfeld, Restaurant San Marino

Professor Hubertus Brunn sitzt gestikulierend und redend vor Bücherregal, Schreibtisch mit PC und Dachschrägenfenster Prof. Hubertus Brunn  (H.B.)

Wir alle nutzen sie, die gefährlichen Fluorchemikalien. Es gibt sie als Teflon oder in der Pommes-Tüte, als Brandschaum und im Kosmetik-Regal.  Prof. Hubertus Brunn ist Mitautor der BUND-Publikation „Fluorchemikalien: Langlebig, gefährlich, vermeidbar“. Der Ernährungswissenschaftler und langjährige JLU-Professor erklärt, wo man den PFAS-Chemikalien im Alltag begegnet und was sie so gefährlich macht

Mindestens 4.700 Stoffe zählen zur Gruppe der Per- und Polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS). Allen diesen Chemikalien ist gemeinsam, dass sie auf natürlichem Wege nur sehr langsam abgebaut werden und daher Jahrzehnte in der Umwelt verbleiben. Aber sie sind ziemlich nützlich: Sie sind z.B. nicht nur wasser- sondern auch öl- und schmutzabweisend. Deshalb werden sie seit den späten 40er Jahren vielfältig verwendet, in Textilien, in Lebensmittelverpackungen, Schaumlöschmitteln, Schmierstoffen und auch auf Möbeln und in Teppichen.

Der Pferdefuß bei so viel Nützlichkeit: Von einigen PFAS ist bekannt, dass sie bei äußerst niedrigen Konzentrationen chronisch toxisch sind, z.B. schädigen sie das Immunsystem und die Funktion der Schilddrüse. Und, was dazu kommt: sie sind extrem persistent, das heißt sie werden nur langsam abgebaut. Entsprechend reichern sich viele dieser Stoffe in den Lebewesen an. Wie internationale Verbote bisher gewirkt haben oder wie sie immer wieder umgangen werden ist ein Thema des Vortrags.  Sanierungen sind extrem schwierig, denn PFAS lassen sich aus Wasser und Boden nur schwer wieder entfernen. PFAS sind ‚forever chemicals‘ (ewige Chemikalien). Selbst bei der Verbrennung sind sehr hohe Temperaturen erforderlich, damit sich diese Verbindungen vollständig zersetzen. Auf 52-84 Milliarden Euro werden die Gesundheitskosten durch PFAS im Europäischen Wirtschaftsraum wurden pro Jahr geschätzt. Um eine weitere Verseuchung der Umwelt zu verhindern, sind einschneidende Maßnahmen notwendig. Der BUND fordert deshalb den Ausstieg aus der Verwendung von PFAS in Konsumgütern (z. B. Lebensmittelverpackungen, Kosmetika, Kleidung) in der EU bis 2025, denn: PFAS-freie Lösungen gibt es seit langem!

 

U.B. 13.06.2023