BUND Kreisgruppe Vogelsberg

Windkraft und die großen Vögel

Vortrag am 11.03.2020

Rotmilan, Uhu und Schwarzstorch: Naturfreunden  geht bei ihrem Anblick das Herz auf, so mancher Windkraftplaner aber sieht vor allem ein ökonomisch fatales Hindernis für den Windkraftausbau in den hessischen Mittelgebirgen. Kaum ein Windpark-Streit wird geführt, ohne dass es auch um die Gefahren für Milan und Co. geht. Für den Windpark Homberg II in Alsfeld wurde nun – zum ersten Mal in Hessen- eine Ausnahme vom „Tötungsverbot“ für den Milan erteilt. Mit der Informationsveranstaltung am 11.März im Hotel Klingelhöfer, Alsfeld, will der BUND einen Beitrag zur Sachdiskussion leisten.“In den letzten Jahren haben wir dank neuer Technik viel über das Leben der Großvögel gelernt“ so Wolfgang Dennhöfer „Damit auch unsere Enkel diese wunderbaren Tiere bewundern können, gilt es dieses Wissen anzuwenden, bei der Windkraftplanung und in Hilfskonzepten für diese Arten“. Am Beispiel der „Großen Drei“: Schwarzstorch, Uhu und Rotmilan wird Interessantes zur Windkraft-Empfindlichkeit, zur Biologie und zur Bestandsentwicklung berichtet, manches davon stammt aus aktuellen Forschungsvorhaben im Vogelsberg. Es geht weiter um Beispiele aus der Praxis, um Artenschutz und Recht und um Windkraftflächen vor unserer Haustür, z.B.  Homberg II in Alsfeld.

Und nicht zuletzt: Wie helfen wir Milan & Co. am besten?.

Der Diplom-Biologe Dr. Wolfgang Dennhöfer hat die Klage der Stadt Alsfeld gegen den ersten Regionalplan für Mittelhessen mit Vorranggebieten für Windkraft erfolgreich begleitet. In den letzten Jahren vertrat er den BUND bei Forschungsvorhaben zum Schwarzstorch und Rotmilan im Vogelschutzgebiet Vogelsberg.  Er versucht, sensibel für beide Seiten, zu analysieren, ob und wenn ja wie Windkraft mit schlaggefährdeten Großvögeln vereinbar sein kann.“Wir wollen Wissen vermitteln und Wissenslücken aufzeigen.“ So Ursel Bernbeck vom BUND Kreisverband, „Und wir freuen uns auf die Diskussion mit Naturfreunden, mit Gegnern und mit Freunden der Windenergie, denn: Klimaschutz und Naturschutz finden in derselben Welt statt“.

Teil-FNP-Windkraftanlagen Feldatal (Eckmannshain) - Stellungnahme des BUND, 08.02.2020

Rotmilanprojekt Vogelsberg, Telemetrie-Daten, Karte 3.2. Ausschnitt

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Bach,

Sehr geehrte Damen und Herren in den Planungsbüros,

Wir bedanken uns für die Gelegenheit zur Stellungnahme. Diese Stellungnahme erfolgt im Auftrag des BUND Hessen e.V. (Landesverband). Wir geben mit dieser ersten Stellungnahme auch Informationen weiter, die innerhalb der Arbeitsgemeinschaft der Naturschutzverbände im Vogelsberg gesammelt wurden. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir diese Stellungnahme nicht wie von Ihnen gewünscht zum 31.01.2020 zustellen konnten und bitten weiter darum unsere Anmerkungen zur Planung bei den weiteren Schritten zu berücksichtigen.

Für den BUND-Landesverband und für die Kreisverbände des BUND und der SDW nehmen wir Stellung zu den vorliegenden Planunterlagen:

  1. Der beplante Wald ist sehr stark in Auflösung begriffen. Die Eingriffe durch Wegebau und Aufstellflächen sind nach unserer Auffassung vertretbar bzw. können durch geeignete Maßnahmen ausgeglichen werden.
  2. Die Summationswirkung mit den benachbarten WKA´s ist zu berücksichtigen bzw. zu erörtern.
  3. Neben den eigenen (PGNU) Daten zur lokalen Avifaunistik sind auch weitere aktuelle Daten heranzuziehen, insbesondere in Bezug auf das Vorkommen planungsrelevanter Tiere. Beispielhaft nennen wir:

    1. Wir vermissen insbesondere ein Eingehen auf die umfangreiche Sammlung von Telemetrie-Daten aus dem Raum Ulrichstein die auch den Geltungsbereich des FNP betreffen –siehe Abb.1. Weitere Hinweise in:  Heuck C, Sommerhage M, Stelbrink P, Höfs C, Geisler K, Gelpke C & S Koschkar (2019): Un­tersuchung des Flugverhaltens von Rotmilanen in Abhängigkeit von Wetter und Landnut­zung unter besonderer Berücksichtigung vorhandener Windenergieanlagen im Vogel­schutzgebiet Vogelsberg — Abschlussbericht. Im Auftrag des Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen.
    2. Außerdem haben  nach unserer Kenntnis im Geltungsbereich Dr.von dem Borne (Ulrichstein) und seine Freunde  die Avifauna kartiert und teilweise auch dokumentiert.

  4. Folgende Hinweise haben wir von Herrn Axel Rockel erhalten (Kreisbeauftragter der staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, Zwiefaltener Str. 21, 63679 Schotten:

    1. An relevanten Arten kommen vor: Rotmilan als Brutvogel nahe dem höchsten Punkt ca. 400 - 500m südwestlich der WKA (von M. Sommerhage dokumentiert), Anmerkung WD: im Gutachten „PGNU“ wird dieser Standort als „Althorst“ kartiert, dafür zusätzlich ein weiterer nahebei im Norden.
    2. Raubwürger mit 1 - 2 Paaren direkt nordöstlich der WKA. Aktuell nutzen sie die großen Windwurfflächen als Nahrungshabitat und die angrenzenden Fichtenbestände zur Brut, sind aber schon länger als Brutvogel in der Umgebung bekannt. Angesichts des hohen Aussterberisikos wurde vom RP Gießen ein 500 m Radius als Ausschlußberiech anerkannt. Der dürfte hier auf jeden Fall unterschritten sein. Der Raubwürger wird von PGNU auf der anderen Straßenseite im Bereich Kopf/Köppel angeführt. Dort sind aber inzwischen 2 WKA errichtet worden, so dass (nach Rockel) von einer Verlagerung des Reviers auszugehen ist. Wie bereits in Helpershain erlebt, meidet der Raubwürger Bereiche, die nach der Errichtung von WKA durch Schlagschatten überstrichen werden. 2019 riefen mehrmals Wendehälse auf den Windwurfflächen, was eine Brut wahrscheinlich macht.
    3. Waldschnepfe ist relevant, wegen der Balzflüge im Rotorbereich.

  1. Mehrere Vorkommen des Neuntöter im „Wald“ – die weitere Planung sollte auf diese Vorkommen eingehen und Maßnahmen zur Schadensminimierung diskutieren bzw. darstellen welche Konzepte seitens des Projektträgeres hier vorgesehen sind. Wir merken das deshalb bereits in der Phase des Vorentwurfs an, weil bei vergleichbaren Projekten im Vogelsberg dann im Rahmen der BImSchG-Verfahren Maßnahmen wie die Rodung der Brutstätten diskutiert wurden bzw. Netz-Verhaue über btut-verdächtigen Heckenstreifen realisiert worden sind – und wir solche bizarren Szenarien nach Möglichkeit vorab ausschließen möchten.
Neuntöter im Eingriffsgebiet

Windkraftanlagen im Stadtgebiet Alsfeld – Angst vor Beton-Fundamenten oder Bürger-Beteiligung?

Im Vogelsberg gibt es derzeit eine neue Variante der Windkraft-Besorgnis: Schwermetallaustrag aus den Fundamenten könnte Trinkwasser gefährden. Da geht es doch um Beton oder genauer gesagt, um den verwendeten Zement. Und Betonelemente sind bisher nicht unbedingt als hochgiftige Gefahrenquelle für Trinkwasserbrunnen bekannt gewesen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) will nicht verharmlosen: unser Trinkwasser muss geschützt werden. Die Aufsichtsbehörden und die Stadt müssen dafür sorgen, dass unser Wasser sauber bleibt. Als Verursacher war bislang die Landwirtschaft im Fokus. Es muss jedoch auch sichergestellt werden, dass saures Wasser keine Schwermetalle aus Fundamenten von Windrädern, Brücken, Einfamilienhäusern, Wohnblocks, Industriegebäuden, von immer noch betongefertigten Abwasserrohren und manchen Autobahnen in die Brunnen trägt. Strengste Einhaltung aller Wasserschutzvorschriften ist von elementarer Bedeutung. Standorte für Windkraftanlagen sind nur dann in Wasserschutzgebieten akzeptabel, wenn die sichere Einhaltung aller Vorgaben vom Bau der Anlage über die komplette Betriebsphase einschließlich Abbau der Anlage gewährleistet ist.

Dabei aber darf die Realität nicht aus den Augen gelassen werden! Die Vertreter des RP berichteten beim öffentlichen Termin in der Stadthalle am 22.9.16, dass die Schwermetall- Problematik bei den Genehmigungsverfahren Beachtung findet und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Für die Windkraftanlagen wird –laut RP- die Verwendung chromatarmen Zements in den Wasserschutzgebieten vorgeschrieben.

Die wirklichen Dreckschleudern unter den Stromerzeugern sind nicht die Windräder, sondern deren Alternative: die Kohle-Kraftwerke. Unser nächstgelegenes Steinkohlekraftwerk Staudinger produzierte im Jahr 2010 2.700 Tonnen Stickoxide, 660 Tonnen Schwefeloxide, 70 Tonnen Feinstaub, 45 kg Quecksilber, 19 kg Cadmium, 130 kg Nickel, mehr als 200 kg Blei, 113 kg Arsen und 192 kg Chrom. Deutschlands Kohlekraftwerke blasen jährlich etwa sieben Tonnen des giftigen Schwermetalls Quecksilber in die Luft und liegen damit in der EU ganz vorne mit Polen und Griechenland.

Vergleichsweise ist da doch die Verwendung von Zement im Fundament der Windkraftanlagen eine eher geringe Gefahrenquelle.

Ein Atomkraftwerk in nächster Nachbarschaft zu haben, wäre auch nicht gerade verlockend – der Vogelsberg wäre als strukturschwache Region sicherlich vor einigen Jahrzehnten für einen Bau in Frage gekommen – wenn die Bäche hier groß genug gewesen wären, um einen Reaktor auch kühlen zu können.

Mit einem Vogelsberg ohne Windräder ist zumindestens für die nächsten 30 Jahre nicht zu rechnen. Die Frage ist, wie man sich dazu positioniert: So mancher Bürger und manche Bürgerin freut sich beim Anblick von Windrädern, dass im Vogelsberg innovative Stromerzeugung stattfindet, die die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas ablöst. Und sie sind auch stolz darauf, dass unsere Region einen beträchtlichen Beitrag leistet, der Erderwärmung entgegenzuwirken. Das könnte gerade dann funktionieren, wenn eine emotionale oder finanzielle Verbindung zu den Anlagen besteht. Das Interesse, den Hochglanz-Vorstellungen der Projektierer und Verwaltungsmitarbeiter zuzuzuhören, bleibt entsprechend gering. Schade eigentlich - Bürgerbeteiligung wurde bei den vor einigen Tagen in der Versammlung vorgestellten Anlagen nur ganz am Rande erwähnt.


 

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